Die Firma progtrans AG Basel hat für das Regierungspräsidium Leipzig ein Gutachten erstellt.
Darin geht es u.a. um die Prüfung der Angaben zu den möglichen Arbeitsplätzen, zu den prognostizierten wirtschaftlichen Auswirkungen sowie zu den Kostenschätzungen.


Die IG Nachtflugverbot Leipzig/Halle e.V.  hat das Gutachten durchgearbeitet und zitiert hier sehr wichtige Punkte daraus:



Schlussbericht

Begutachtung relevanter Unterlagen
zum Planfeststellungsverfahren
Flughafen Leipzig / Halle
im Hinblick auf verkehrliche und logistische Anforderungen


im Auftrag des Regierungspräsidiums Leipzig

Basel, 31. August 2004




Zitate:

2     Business Case eines LEJ- Express-Luftdrehkreuzes
2.1  Express- Transportlogistik

Zeitliches Ablaufschema von Overnight- Express- Transporten

Seite 9 (15)    „Nach einer Faustregel verursachen geflogene Transporte 10-mal höhere Kosten (pro Mengeneinheit) als Straßentransporte.


Anforderungen

Seite 17 (3)    „wesentliche Elemente des Anforderungskataloges 5“(DHL Pflichtenheft)
„5...für sinnvoll bzw. unerlässlich, dass der ausgewählte Flughafen auch tagsüber, d.h. vor allen Dingen durch andere Geschäftszweige, eine hinreichende Auslastung hat.“


Eignung des Flughafens Leipzig/Halle


Seite 18 (7)    „Der Flughafen Leipzig/Halle liegt ca. 450 km Luftlinie östlich dieses Gravitationszentrums.“
(8) Der Vorteil liegt in der nähe zu Osteuropa....bereits spürbare Verlagerung von Produktionskapazitäten in diese Region.....Dieser Prozess vollzieht sich allerdings recht langsam. Deswegen wird auch auf längere Sicht, etwa in 20 Jahren, dieser Vorteil noch nicht den Nachteil weiterer Flugentfernungen von den historischen Wirtschaftszentren der bisherigen Union ausgleichen.“
(9) „Was stärker wiegt, ist im Falle von Leipzig/Halle das geringere Aufkommen, das auf der Strasse zum und vom Drehkreuz befördert werden kann.“


Annahmen zu den Flugbewegungen

Seite 20 (11)    „Die diesen Zahlen zugrunde liegenden Annahmen werden in keinem der geprüften Dokumente erläutert.“
(14) „Das angenommene Wachstum von jährlich 5% erscheint zu hoch,...“

Seite 21 (17)    „Fazit:....... Die erwähnten Schwächen des Standortes Leipzig/Halle betreffen interne betriebswirtschaftliche Aspekte, die vom Integrator selbst zu bewerten sind.“



3     Verkehrsprognose 2015
3.1  Grundlagen der Prognose

Seite 23 (7)    „Die in Übersicht 11 aufgezeigte zukünftige Entwicklung der Flugbewegungen am Flughafen Leipzig/Halle steht im Widerspruch zu der Tendenz in der Vergangenheit.“
Seite 24 (9)    „Fazit: Die GFL- Prognosen sind nicht hinreichend auf der Vergangenheitsentwicklung am Flughafen Leipzig/Halle abgestützt, die sehr unterschiedlich zum allgemeinen Trend in Deutschland verlaufen ist.“


3.2 Prognose des Passagierverkehrs
Vergangenheitsentwicklung


Seite 24 (1)    Beim Passagieraufkommen gab es am Flughafen Leipzig/Halle im vergangenen Jahrzehnt eine gegenläufige Entwicklung.        ....    .Seither zeigt die Flughafenstatistik eine kontinuierliche Tendenz der Abnahme des Linienfluggastaufkommens....    .“
Seite 28 (10)    „Fazit: Die Prognose des Passagier- Linienverkehrs ist unzureichend auf der Vergangenheitsentwicklung abgestützt und nach unserer Einschätzung überschätzt.“


3.3 Prognose der Luftfracht
Prognose


Seite 32 (14)    „Fazit: .........Die Prognose für den High Case bei der Postfracht ist insofern überholt, als mittlerweile bekannt wurde, dass das Nachtflugdrehkreuz der Post auf jeden Fall in naher Zukunft aufgegeben wird.“



4    Regionalökonomische Aspekte
4.1 Regionalpolitischer Hintergrund

Seite 34 (2)    „Das Land Sachsen-Anhalt, Aktionär der Mitteldeutschen Flughafen AG,....., ihm sogar Priorität vor allen anderen Flughafenprojekten des Landes eingeräumt.“
(4) „Demgegenüber verfolgt der Freistaat Thüringen eine völlig unabhängige Strategie,....
Der jüngste Entwurf des Landesentwicklungsplans Thüringen 2004 stellt in diesem Zusammenhang fest: „Die erwartete Zunahme des Luftverkehrs unter der Bedingung der Erweiterung der EU erfordert den bedarfsgerechten Ausbau des internationalen Flughafens Erfurt.““


4.2 Wirtschaftliche Lage in der Region

Seite 38 (7)    „....., wird Luftfracht von Seiten der Automobilindustrie nur in sehr geringem Maße generiert. Allerdings wird eine intensivere Nutzung des Flughafens bei einer Verlagerung der Produktionsstätten in Zukunft nicht ausgeschlossen. Der in der Region Leipzig-Halle stark vertretene Wirtschaftszweig Nahrungs- und Genussmittelindustrie, generiert generell sehr wenig Luftfracht.
Seite 39 (8)    „Die chemische Industrie bietet nur wenig Potenzial für die Luftfracht“.


4.3 Regionalökonomische Projektwirkungen

Seite 41 (6)    „Ist die Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze plausibel?
Im iws- Bericht werden konfuse Angaben gemacht:“

Es folgen auf Seite 41 und 42 die aufgelisteten Angaben

Seite 43    „Es wird angenommen, dass alle geschaffenen Arbeitsplätze Vollzeitäquivalente sind, und der Personalkostenaufwand pro Beschäftigten wird mit 25.000 Euro pro Jahr angegeben.
    
Hierzu ist anzumerken dass am jetzigen DHL-Hub in Brüssel in der Sortieranlage 50% der Arbeiter Teilzeitbeschäftigte für 4 Arbeitsstunden pro Nacht sind.

Unklar ist wie sich Bruttojahreseinkommen in den alten Bundesländern von 40.000 Euro und in den neuen Bundesländern von 30.000 Euro zu dem angenommenen Personalkostenaufwand von 25.000 Euro rechtfertigt.
Seite 43 (7)    „Fazit: Die Abschätzung der makroökonomischen Wirkungen des Projektes erfolgte  auf der Basis von „fiktiven“ Annahmen bzgl. zu schaffender Arbeitsplätze und umzuschlagender Frachtmengen, die von der Flughafenverwaltung vorgegeben waren. Während die Vorgaben für 2007 plausibel sind, sind die für spätere Jahre nicht nachvollziehbar.

Annahmen zum Kosten- und Einkommensgefüge (Höhe der Betriebskosten, Anteil der Personalkosten an den Betriebskosten, Anteil der Vollzeitbeschäftigten sowie Personalkosten und Bruttoeinkommen) sind nicht bezogen auf die Situation eines Express- Luftdrehkreuzes mit Flugzeugabfertigung und automatisierter Sortieranlage zutreffen.
Das Ergebnis der Bewertung der regionalökonomischen Wirkungen wird wegen Überschätzung von Beschäftigung und Frachtvolumen sowie wegen nicht validierter Annahmen vermutlich deutlich unter den errechneten Werten liegen.


 
5 Zentrale Schlussfolgerungen

Seite 46 (6)    „Schwächen sind vor allem die geographische Lage ca. 400 km östlich des heutigen Schwerpunktes des Sendungsaufkommens sowie ein schwaches Sendungsaufkommen der Region.“
Seite 46 (7)    „Eine Nutzung des Flughafens Leipzig/Halle als Luftdrehkreuz durch einen der übrigen drei großen Integrators (FedEX, TNT oder UPS) oder durch die Deutsche Post ist nach dem jetzigen Stand der Dinge nicht abzusehen.“

Verkehrsprognose

Seite 46 (9)    „Die Prognose des Passagier- Linienverkehrs ist unzureichend auf der Vergangenheitsentwicklung abgestützt und deshalb wenig plausibel.“

Regionalwirtschaftliche Auswirkungen

Seite 47 (10)    „Die Abschätzung der makroökonomischen Wirkungen des Projektes erfolgte auf der Basis von „fiktiven“ Annahmen bzgl. direkter neuer Arbeitsplätze und umzuschlagender Frachtmengen, die von der Flughafenverwaltung vorgegeben waren. Die jährlichen Eingangsgrößen für die Berechnung sind allerdings unzureichend dokumentiert und deshalb nicht nachvollziehbar.
(11)    „Annahmen zum Kosten- und Einkommensgefüge (Höhe der Betriebskosten, Anteil der Personalkosten an den Betriebskosten, Anteil der Vollzeitbeschäftigten sowie Personalkosten und Bruttoeinkommen) beziehen sich nicht auf die Situation eines Express- Luftdrehkreuzes mit Flugzeugabfertigung und automatisierter Sortieranlage zutreffen.“
(12)    „Das Ergebnis der Bewertung der regionalökonomischen Wirkungen wird vermutlich deutlich unter den errechneten Werten liegen.“



progtrans AG Basel

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