Danke.
Endlich hat uns ein CDU-Mann, der sich selbst Volksvertreter nennt, seine
Auslegung des Grundgesetzes erläutert. Wenn Bürger ihre verfassungsmäßig
garantierten Rechte wie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit in Anspruch
nehmen, werden sie mit dem Stempel Arbeitsplatzvernichter in die Ecke gestellt,
die keinen Widerspruch duldet, denn wir sind eine Initiative gegen
Arbeitsplätze“. Ein Volksvertreter, der so argumentiert, ist keiner, denn er
will dem lästigen Bürger vorschreiben, was er zu denken und zu glauben hat.
Diesen Gefallen werden wir ihm nicht tun. Die Sorgen um die Vernichtung der
Existenz — wer will
in
einem Hotel schlafen oder in einem Restaurant sitzen, über dem Frachtfiugzeuge
donnern? Um die Vernichtung von Sparvermögen und Lebenskapital — wer will eine
Wohnung oder ein Haus in einer Einflugschneise kaufen oder mieten? All das
zählt für ihn offenbar überhaupt nicht. Er gesteht uns nicht das Recht zu, auf
diese Gefahren hinzuweisen und die schwerwiegenden Argumente in die Waagschale
zu legen — er bat vorher entschieden.
Während
andere Flughäfen ihre Nachfluggenehmigungen auslaufen lassen oder gar nicht
erteilen, siehe Neubau Berliner Großflughafen, schreien wir danach und
finanzieren das ganze noch großzügig aus Steuermitteln und Förderprogrammen,
während in Schulen gespart wird.
Ich wäre bereit zu wetten, dass nur ein Bruchteil
der angeblich 3000 Arbeitsplätze
kommt,
denn DHL wird die „Umzugsspenden“ auch dazu benutzen, um billige Technik an die
Steile teurer Arbeitskräfte zu setzen, außerdem nennt DHL diese Zahlen nie
selbst — es sind Wunschträume, die uns die Entscheidung versüßen sollen. Auch
die angeblich hohen
Lärmschutzauflagen
des Flughafens sind nicht glaubwürdig, es gibt keine leisen Frachtmaschinen.
Warum nur gibt Brüssel nicht die gewünschten Genehmigungen, denn auch dort
verlieren Leute ihren Job. Ich glaube, die belgischen Volksvertreter haben
erkannt, was wichtiger ist: Lebensqualität oder Geld beziehungsweise
Dividenden.
Wir werden uns jedenfalls nicht davon abhalten
lassen, gegen diesen Wahnsinn zu
kämpfen.
Das sind wir auch unseren Kindern schuldig, denn sie tragen 30 Jahre die Lasten
dieser Entscheidungen, unsere Volksvertreter sind dann im Ruhestand oder nicht
mehr gewählt.
Ilona
Große.
Taucha/Pönitz
Ich
lese seit einiger Zeit verstärkt Meinungsäußerungen zur möglichen Ansiedlung
der DHL am Flughafen Halle/Leipzig. Das Pro und Contra lässt sich ganz einfach
teilen, bin ich betroffen oder nicht. Ob sich der
CDU-Stadtrat Böttcher für die Ansiedlung in die Bresche geworfen hätte, wenn er
selbst in der Einflugschneise wohnen würde, möchte ich bezweifeln. Wie soll
denn der vorgeschlagene Kompromiss aussehen? Ein bisschen Nachtflug oder nur
jeden zweiten Tag? Wenn die Flieger kommen, dann kommen sie mit allem, was dazu
gehört. Auch die Beschwichtigungen der Flughafendirektion betreffs strenger
Lärmschutzauflagen: Wie soll das aussehen? Will man im weiteren Umland
Messstationen errichten und Flugzeuge, die lauter als vorgegeben sind, zurückschicken
oder einen lärmdämmenden Zwischenhimmel einziehen? Schon jetzt halten die
Flugzeuge die Flugkorridore nicht ein. Will man die entstandenen Arbeitsplätze
den Lärmbetroffenen anbieten? Denn die arbeiten ja dann, wenn die Maschinen
starten und landen. Vielleicht möchten die von DHL Profitierenden einen Fonds
einrichten und denen, die Wertminderungen hinnehmen müssen, die Verluste
ausgleichen. Es muss doch allen klar sein, DHL interessiert sich nur für
Leipzig, wenn sie alle Vorteile auf ihrer Seite haben. Und ich möchte nicht zu
denen gehören, die nur die Nachteile hinnehmen müssen.
Detlef
Reinhardt.
Neu-Schladitz
Zutiefst
empört haben wir den Leserbrief des Delitzscher Stadtrates Manfred Böttcher
gelesen. Woher nimmt er die Frechheit, die Interessengemeinschaft für ein
Nachtflugverbot als eine Initiative gegen Arbeitsplätze zu bezeichnen, die nur
zu diesem Zweck entstanden
sei?
Das hat nichts mehr mit freier Meinungsäußerung zu tun, sondern erfüllt unserer
Meinung
nach schon den Straftatbestand einer üblen Nachrede.
Herr Böttcher, Ihnen zur Information: Die
Interessengemeinschaft ist aus mehreren hundert Bürgern entstanden, über deren
Köpfe hinweg Politiker Entscheidungen fällen, deren Tragweite heute noch nicht
einmal ansatzweise absehbar ist. Die Zahl von 3000 Arbeitsplätzen entspringt
entweder Ihrer blühenden Phantasie oder kursierenden Gerüchten. Weder die
Deutsche Post noch das Frachtunternehmen DHL geben diese Zahl in der
Öffentlichkeit an. Können Sie sich vorstellen, dass die vom Fluglärm betroffenen
Bürger in
den
Gemeinden voller Angst und Sorge in die Zukunft blicken? Der Flughafen hat nach
eigenen Angaben zur Zeit etwa 4000 Nachtflugbewegungen
pro Jahr. DHL fordert allein mindestens 34 000 Nachtflüge. Bis zum Jahr 2015
avisiert der Flughafen 124 000 Flugbewegungen, davon 40 Prozent nachts. Das
wäre dann das 13-fache an Nachtflügen gegenüber heute. 138
mal würden dann die Flugzeuge nachts über unsere Köpfe fliegen, doch
schon jetzt wird man in der Nacht mehrmals vom Flugzeuglärm geweckt. Herr Malitzke,
Geschäftsführer des Flughafens, sprach von Lärmmittelungspegeln von unter 50
dB(A) außerhalb eines Hauses, und in geschlossenen Räumen mit angekippten
Fenstern von
nur
35 dB(A). „Da wird niemand aus dem Schlaf gerissen“, so Malitzke. Bewusst wird
in der Öffentlichkeit von viel zu geringen Lärmpegelwerten gesprochen, um die
Bevölkerung nicht zu verunsichern und in dem Glauben zu lassen, es werde alles
schön nicht so schlimm.
Herr Böttcher, haben Sie sich schon einmal die Frage
gestellt, warum in Brüssel so heftig um eine Ausweitung der Nachtflüge
gestritten wird? Der Nachtfluglärm hat die in der Umgebung des Flughafens
wohnenden Menschen krank gemacht. Der Stadtrat von Brüssel stellt sich hinter
seine Bevölkerung und will die Menschen vor noch mehr Nachtfluglärm
schützen.
Nicht so in Deutschland. Politiker aller Parteien schreien nach DHL und
schmieren ihr Honig um den Bart. Ja, sie geben DHL sogar eine Garantie über 30
Jahre, dass es zu keinerlei Einschränkungen in der Nachtflugerlaubnis kommen
werde. Ohne Skrupel wird
auch
über die nächste Generation geurteilt.
Die neu gebaute Landebahn Nord hat eine Auslastung
von 25 Prozent. Andere
Flughäfen
in Deutschland bewegen ein Mehrfaches an Passagier- und Frachtaufkommen auf nur
einer Startund Landebahn. Aber nicht so in Leipzig/Halle. Statt durch
Innovation die Passagierzahlen zu steigern, wird jetzt alles auf die Fracht
gesetzt, damit irgendwann der Flughafen aus seinen roten Zahlen kommt. Alle
Anteilseigner, einschließlich des Bundes, sind eigentlich pleite, aber 300
Millionen Euro lassen sich doch noch irgendwie auftreiben. Das
dies nur über eine weitere Neuverschuldung zu finanzieren ist, interessiert die
Politiker nicht.
Worin besteht denn Ihr Kompromiss mit fairem
Interessenausgleich, Herr Böttcher?
Wir
sollen uns alles widerstandslos gefallen lassen, und dafür bekommen wir ein
paar Lüfter (ohne Stromverbrauchsbeteiligung durch den Flughafen) spendiert.
Wir sollten der Interessengemeinschaft für ein
Nachtflugverbot lieber dankbar sein,
dass
sie sich in ihrer Freizeit der Ängste und Sorgen der Lärm betroffenen Bürger
annimmt. Die IG ist nicht gegen den Ausbau des Flughafens, aber sie ist gegen
eine gigantische Verschwendung von Steuergeldern zu Lasten der Steuerzahler.
Wenn ein EU-weites Nachtflugverbot wie geplant kommt, soll es auch für
Leipzig/Halle gelten.
Jetzt, wo die Entscheidung zur
DHL-Ansiedlung scheinbar gefallen ist, heucheln die
lokalen
Politiker Interesse für die betroffenen Anwohner und signalisieren
Gesprächsbereitschaft. Was für ein Hohn!
Katrin
und Thomas Pohl,
Rackwitz
Mit
Bestürzung musste ich lesen, wie Volksvertreter aus der Politik
Befindlichkeiten betroffener Menschen mit Füßen treten. Es wird bewusst mit
falschen Zahlen hantiert. Die Schaffung von 3000 Arbeitsplätzen wird bejubelt,
obwohl in einem Wirtschaftsgutachten, welches dem Regierungspräsidium in
Leipzig vorliegt, von maximal 1400 schaffenden Arbeitsplätzen ausgegangen wird.
In der Bevölkerung der Region werden damit falsche Hoffnungen geweckt. Meiner
Meinung sind selbst diese Arbeitsplatzzahlen utopisch, da es sich
höchstwahrscheinlich zum größten Teil nur uni schlecht bezahlte
Teilzeitarbeitsplätze
handelt,
weiche vornehmlich zur Transportlogistik für wenige Stunden in der Nacht
dienen.
Ganz außer Acht gelassen wird, dass
in Folge erhöhten Fluglärms mittelfristig in der
Region
Arbeitsplätze in Größenordnungen im Gaststätten- und Hotelgewerbe in Gefahr
sind. Welcher Mensch nächtigt noch in einem Hotel, wenn er weiß, dass er über
80-mal in der Nacht durch Flugiärm aus dem Schlaf gerissen werden kann? Den
Gipfel der Instinktlosigkeit
leistet
sich Landrat Czupalla, welcher den betroffenen Bürgern zusichert, auf sie
zuzugehen. Hatte er nicht schon genügend Gelegenheit dazu? Er hätte sich schon
längst über unsere Ängste ein Bild machen können.
Stark zu denken gibt mir, dass die
Grundlage der Entscheidung für den Flughafen Leipzig/Halle Zugeständnisse des
Bundes an DHL sein sollen. Welche Zugeständnisse werden das wohl sein? Für mich
sind diese unausgegorenen Verhaltensweisen von unseren Politikern erschreckend.
Sie setzen ohne Mühe unsere Gesundheit aufs Spiel.
Frank
Janouschek,
Podelwitz
Aus
den letzten Artikeln zur neuen Start- und Landebahn am Flughafen Schkeuditz für
die Aufnahme der Postfracht (DHL) aus Brüssel wird immer deutlicher, dass die
Entscheidung dafür auf hoher politischer Ebene schon längst getroffen wurde.
Das Planfeststellungsverfahren war und ist aus heutiger Sicht doch wohl mit
einem Schauspiel zu vergleichen, um sich den „Mantel“ der Demokratie umhängen zu
können. Lautstark hatte man damals dementiert, dass in Brüssel dazu bereits
Gespräche stattgefunden haben, keiner wollte
wissen,
wer diesen Flughafen vorgeschlagen hat. Heute wird offenkundig, dass über den
Bundesfinanzminister Hans Eichel (Mitglied im Aufsichtsrat von DHL), über den
Ministerpräsidenten Georg Milbradt bis zum Landrat Michael Czupalla die
entscheidenden politischen Ebenen lange eingeweiht waren. Hinzu kommt, dass man
eine Menge Fördergelder aus mehreren Töpfen bekommt. Für eine Fehlkalkulation
darf der Bürger dann weiter bezahlen, siehe Auslastung der Nordbahn. Ins
jetzige Gesamtbild fügt sich auch ein, dass man einer Bürgerinitiative
versprochen hat, alle geforderten Maßnahmen zu erfüllen, wenn sie nicht gegen
das Nachtflugverbot ist. Was aber wird mit den anderen Bürgern und deren
Grundstücken? Denn Tatsache ist doch, dass von denen, die für diese Nachtflüge
sind, kaum einer direkt davon betroffen ist. Zu dem Fluglärm wird noch der Lärm
und Gestank von Autos kommen. Die in Mitleidenschaft gezogenen Straßen darf der
Bürger dann auch wieder
mitbezahlen.
Die
Argumentation zur Gesundheit wird von anderen Wissenschaftlern widerlegt. Die
Problematik mit den Arbeitsplätzen stellt aus meiner Sicht nicht einmal die
Halbwahrheit dar. Was ist beispielsweise mit den Arbeitskräften in Brüssel? Des
weiteren wird es sich für viele
um
Teilzeitarbeiten handeln, die dazu noch vorwiegend nachts stattfinden. Die
Gesamtanzahl der Beschäftigten wird doch wohl auch von der Auslastung abhängen.
Das beste Beispiel ist doch die derzeit in Betrieb befindliche Nordbahn. Über
die Anzahl der Arbeitsplätze, die unter anderem im Hotelgewerbe verloren gehen,
schweigt man sich völlig aus. Der wahre Grund für diese Entscheidung ist doch,
dass einige Konzerne hier den geringsten Widerstand vorfinden. Das Endergebnis
des Planfeststellungsverfahrens ist damit bereit programmiert.
Roland
Hadrych,
Hohenossig
