Schauen Sie sich die Fotos an: Anti-Lärm-Demo: 16.04.2008
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Lärmgegner erhöhen den Druck

Leipzig / Der 16.04.2008. Tag gegen Lärm. Was liegt da näher, als den Lärm öffentlich bemerkbar zu machen? Während auf der einen Seite die stetig steigende Lärmbelastung mit allen Mitteln weggeblendet werden soll, um die Lobby nicht zu verärgern, werden die Betroffenen immer mehr und immer deutlicher belastet. Doch irgendwann ist es genug. Besonders dann, wenn man nirgends Gehör findet. Weder bei den zuständigen Stellen, noch bei den verantwortlichen Politikern.

So war es nicht verwunderlich, dass am Mittwoch, den 16. April 2008 weit mehr als eintausend Menschen dem Aufruf gefolgt waren, in Leipzig gegen den zunehmenden Lärm zu demonstrieren.
Unter dem recht zweideutigen Motto "Fluglärm & Bodenlärm. Wir haben genug davon!" rief die IG Nachtflugverbot Leipzig/Halle e.V. um 16:30 Uhr zur Anti-Lärm-Demo an die geschichtsträchtige Nikolaikirche in Leipzig. Gemeinsam mit weiteren Initiativen, Vereinen und Interessengruppen, wie z.B. dem FLUG e.V. (Förderverein für Lärm-, Umwelt und Gesundheitsschutz), dem NABU Regionalverband Partheland (Naturschutzbund) und vielen anderen wurden die Leipziger, Hallenser und Umlandbewohner auf den Plan gerufen.

Während der Demonstrationszug durch die Innenstadt marschierte, tagte der Leipziger Stadtrat im Rathaus und musste sich neben verschiedenen anderen Themen auch mit einer ganzen Reihe von Bürgeranfragen zum Thema Flug- und Bodenlärm, Flugrouten und Lärmvermeidung beschäftigen. Auch dort waren Vertreter der Bürgerinitiativen und der IG Nachtflugverbot Leipzig/Halle e.V. zu gegen, um die Position und den Kenntnisstand der Politiker der Stadt und ganz besonders des Leipziger Oberbürgermeisters Jung zu dieser Problematik zu erfahren.

Nachdem der Demonstartionszug lautstark die Innenstadt durchquert hatte und dort die Passanten für eine ganz kurze Zeit mit dem Thema Lärm konfrontierte, fand nach einer Abschlusskundgebung und sachlichen Gesprächen mit dem Umwelt-Bürgermeister Heiko Rosenthal die Demonstration ihr planmäßiges Ende. Ein an den Oberbürgermeister Burkhard Jung gerichteter Offener Brief der IG Nachtflugverbot Leipzig/Halle e.V. konnte wieder einmal nicht persönlich übergeben werden, da dieser WIE IMMER jeglichen Kontakt mit den Betroffenen vermied.

Das Blut der Betroffenen war aber auch am Ende dieser Demonstration nicht abgekühlt und so begaben sich etliche Teilnehmer der Demo ins Rathaus, um der öffentlichen Sitzung des Stadtrates beizuwohnen.
Der größte Teil der Demonstranten hatte sich zwar bereits auf den Heimweg begeben, aber trotzdem war ein derart großes Interesse an einer Stadtratssitzung in Leipzig noch nicht vorgekommen. Die Abgeordneten sahen sich plötzlich einer Schar von hunderten aufgebrachten Bürgern gegenüber. Sie forderten den Oberbürgermeister lautstark auf, sich mit ihren Problemen umfassender und inhaltlicher auseinander zusetzen.
Bislang war das trotz intensiver Bemühungen der Betroffenen stets unterblieben. Versuche, die Bürger auf später zu vertrösten, gelangen nicht. Dazu wurde man schon zu oft von den Vertretern der Stadtverwaltung Leipzig ignoriert und herabgewürdigt worden. Nur wenige Mitarbeiter, wie zum Beispiel der Umwelt-Bürgermeister Heiko Rosenthal, waren in der Vergangenheit bereit, sich inhaltlich mit dem Thema Fluglärm auseinander zu setzen. Gleiches gilt für die ebenso wichtigen Themen wie
Steuergeldverschwendung und Mitlitärflüge. Die Landesregierung und die Betreiberin des Militär- und Frachtdrehkreuzes Leipzig hatten es bisher immer gut verstanden, viele Bürgermeister, Kommunalvertreter und die Medien einseitig zu informieren und auf Linie zu bringen.

So war es kein Wunder, dass angesichts der vorgebrachten Tatsachen, vielen Abgeordneten vor Verwunderung der Mund offen stand.
Schließlich beendete der Oberbürgermeister das Maus- und Katzspiel mit den Anwohnern und begab sich zu ihnen ins Foyer, um sich mit den Problemen des Fluglärms etc. zu befassen. Immer wieder wurde beteuert, dass der Stadt Leipzig die Hände gebunden seien und sie sich nicht für die Belange ihrer Bürger einsetzen könne. Doch das konnten die Betroffenen nicht so stehen lassen und argumentierten voller Enthusiasmus. Schließlich sicherte er ihnen umfassende Unterstützung zu.
Denn auch zuvor gleich am Anfang in der Stadtratssitzung selbst sorgte diese unglaubliche Auffassung im Planfeststellungsbeschluss für erstaunte Gesichter der Abgeordneten.
Heiko Rosenthal: Im Planfeststellungsbeschluss zur Erweiterung des Airports stehe: "... die Stadt sei nicht ersucht, die Interessen ihrer Bürger geltend zu machen." Das heißt zu gut Deutsch: Der Sadt sollen zu großen Teilen die Hände gebunden sein, wenn es um die Durchsetzung der Belange der Leipziger in Sachen Fluglärm geht. Aber, so erläuterte Rosenthal diesen Passus im Beschluss weiter: "Genau das sehen wir anders."
Auch die IG Nachtflugverbot Leipzig/Halle e.V. sieht das anders. Der Vorsitzende Michael Teske will den Offenen Brief an Oberbürgermeister Jung übergeben,
"Weil das Ganze Chef-Sache werden muss."
(Diesen Brief können Sie hier lesen: Offener Brief an OBM Jung )
Einer der zentralen Punkte dieses Briefes ist die noch immer vom Flughafen verweigerte Veröffentlichung der Fluglärmmessungen. Seit 2007 fordern Bürger diese Veröffentlichung vom Flughafen ein. Obwohl der Flughafen dazu gesetzlich verpflichtet ist, verschiebt er diese Veröffentlichung immer wieder. Alle bisher angegeben Termine ließ man verstreichen und verweigert konkrete Angaben. Der Fluglärm erreicht und überschreitet schon heute in vielen Bereichen die erst für 2015 prognostizierten Lärmwerte.

Indes wird von den Grünen ein Dialogforum vorgeschlagen, ähnlich dem Mediationsverfahren in Frankfurt am Main, mit dem man dort recht gute Erfahrungen machen konnte. Doch auch diese Möglichkeit wurde schon in den letzten drei Jahren von den Anwohnervertretern angestrengt; erwartungsgemäß scheiterte es an der Blockadehaltung des Flughafens und des Regierungspräsidiums. Diese Bemühungen der Anwohner für eine Kompromissfindung wurden bislang in den Medien nicht beachtet und sind deshalb wenig bekannt. Aber es gab sie.
Selbst wenn unter dem politischen Druck und mit Unterstützung einiger Parteien ein solches Forum jetzt ins Leben gerufen werden könnte, so würde es nur dann eine Akzeptanz in der Bevölkerung finden, wenn dessen Zusammensetzung eine gerechte Gleichverteilung der verschiedenen Interessenvertreter ausweist, von einem völlig neutralen Moderator geleitet wird und wenn dessen ausgearbeitete Ergebnisse in der Praxis auch umgesetzt werden. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, wird auch dieser Vermittlungsversuch ins Leere laufen. An den betroffenen Menschen der Region soll es nicht liegen ...


Fotos von der Demonstration und vom Rathaus Leipzig finden Sie hier:

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