+++ ARBEITSPLÄTZE +++






Versprochene Schaffung von über 10.000 Arbeitsplätzen durch Frachtflughafen Leipzig-Halle/DHL ist Mogelpackung


Eine Auswertung der kritischen Betrachtung „Der Flug-Boom“ der Lärmschutz-Gemeinschaft Flughafen Köln/Bonn e.V. (Autor Helmut Schumacher)

Die im Flughafenkonzept der Bundesregierung  gemachten Ansätze zur Errechnung von Beschäftigungszahlen können einer kritischen Analyse nicht standhalten. Es wurde eine fragwürdige Rechenmethode gefunden, die zumindest auf dem Papier dem Wachstum des Luftverkehrs bedeutende Beschäftigungsauswirkungen zuordnet.

Die Bundesregierung behauptet, dass ein Beschäftigungsmultiplikator von 3,3 bestünde; das heißt, dass jeder direkte Arbeitsplatz an Flughäfen durch unterstellte zusätzliche Beschäftigungseffekte wie indirekte, induzierte und katalysierte Arbeitsplätze im regionalen  Umfeld der Flughäfen mit vier zu multiplizieren sei.

>>> Als indirekte Arbeitsplätzesind die als gewerblich Tätige im regionalen Umfeld des Flughafens definiert (keine genauere Definition der jeweiligen Gewerbe!)

>>> So genannte induzierte Arbeitsplätze sollen aufgrund von Einkommens-effekten (!!!), also durch gesteigerten Konsum der direkt und indirekt Beschäftigten im regionalen Umfeld der Flughäfen entstehen.

>>> Bei katalysierten Arbeitsplätzensoll es sich um solche Arbeitsplätze handeln, welche im Umfeld der Flughäfen durch die dank der Fliegerei gesteigerte Attraktivität der Region entstehen.


Anmerkung der Interessengemeinschaft „Nachflugverbot Leipzig-Halle“:
Dieser unwissenschaftlichen, nicht bewiesenen  und schwammigen Definition folgen natürlich die Landesregierung Sachsen, das Regierungspräsidium Leipzig, die Flughafengesellschaft und auch DHL recht gern, zumal  das tatsächliche Ergebnis bei der Schaffung von Arbeitsplätzen nach Realisierung des Vorhabens nicht nachgewiesen werden  muss oder gar dafür unternehmerische Verantwortung zu übernehmen ist. Es ist derzeit auch kein Vertrag noch eine bindende Vereinbarung bekannt, die die Anzahl der zu schaffenden Arbeitsplätze als Geschäftsziel und Grundlage der Finanzierung zwingend festschreiben; weder für die Flughafengesellschaft noch für DHL.

Der Finanzwissenschaftler Prof. Friedrich Thießen von der TU Chemnitz weist ausdrücklich darauf hin, dass dem Einkommen, welches durch Flughäfen entsteht, verhindertes Einkommen an anderer Stelle gegenübersteht. Nur dann, wenn der Multiplikator von Flughafenausgaben größer ist als der von verdrängten Aufgaben, würde ein Flughafenausbau netto volkswirtschaftliches Mehreinkommen und Mehrbeschäftigung schaffen. Er kritisiert u.a., dass zur Ermittlung von indirekten Beschäftigungswirkungen keine statistisch haltbaren Erhebungen z.B. im Frankfurter Umfeld durchgeführt wurden. Er weist darauf hin, dass aufgrund von Europaweiten Untersuchungen die Arbeitslosenquote überhaupt nicht davon abhänge, ob in der Region Flughäfen existieren oder nicht.

Auch das Rheinisch Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung kommt zu dem Schluss, dass es keine Abhängigkeit zwischen der Arbeitsmarktentwicklung in den Flughafenregionen Deutschlands und der Flughafenentwicklung gebe: „Ein Einfluss einer Flughafeninfrastruktur auf dem Arbeitsmarkt ist statistisch nicht bewiesen.“

Die Mehrheitsmeinung der Experten der „Enquente-Kommission“ (amtl. Untersuchung) des NRW-Landtages von 1998 war, dass der Multiplikatoreffekt nur mit 1,6 anzusetzen ist, d.h. zu den direkten Arbeitsplätzen addiert man 160% für alle indirekten Sondereffekte und erhält damit eine einigermaßen realistische Gesamtzahl für Arbeitsplätze. Damit wäre der Multiplikator 3,3 um über 100% zu hoch angesetzt.

Die Qualität des Zahlenwerkes wird auch nicht dadurch besser, dass man auf einen schon im Ansatz zu hohen Basiswert einen weit überhöhten Arbeitsplatzmultiplikator draufsattelt, eine Tatsache, welche schon in die bedrohliche Nähe von Irreführung gerät.

Der Autor des Beitrages „Der Flug-Boom“ in der Lärmschutzgemeinschaft Köln/Bonn e.V. kommt zu folgender Zusammenfassung:
Damit dürfte belegt sein, dass der gern zitierte Slogan ´Jobmaschine Flugverkehr´ eine Mogelpackung ist, offenbar zu dem Zweck erfunden, der Öffentlichkeit den Blick auf eine unsinnige deutsche Luftverkehrspolitik durch ein völlig überzogenes Arbeitsplatzargument zu verstellen, und dabei gleichzeitig die ökologische Schädlichkeit des Verkehrsmittels Flugzeug zu verschleiern.

Meinung der IG „Nachflugverbot Leipzig-Halle“:
Trifft nicht genau das auch für den Frachtflughafen Leipzig/Halle inklusive DHL-Ansiedlung zu? Jeder könnte nunmehr selbst nachrechnen, wie viele Arbeitsplätze tatsächlich entstehen werden, wenn er nur eine halbwegs realistische Zahl der direkten Basis-Vollzeitarbeitsplätze hätte. Viel lieber füttert man die Bevölkerung in den Medien mit der Phantasie-Zahl von über 10.000 neue Arbeitsplätzen.
Das Gutachten der schweizerischen Prog Trans AG vom 31.08.2004 hält eine Zahl von 1.800 Arbeitskräften bei gegenüber Brüssel höherem Frachtumschlag und gleichzeitigen Rationalisierungseffekten bei Neubau DHL Leipzig-Halle für gerechtfertigt; dem folgt auch der Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums Leipzig. Nach Darstellung des  DHL-Projektleiter Michael Reinboth in den „Sonntagsnachrichten“ vom 06.02.2005 werden am neuen Frachtdrehkreuz vor allem Verladetätigkeiten mit viel manueller Arbeit im Niedriglohnsektor sowie Teilzeitjobs anfallen. Aber für nur 20% der rund 3.500 Arbeitsplätze seien Spezialausbildungen gefragt. Wie hoch ist denn nun tatsächlich die Zahl der zu schaffenden Vollzeitarbeitsplätze?
Viel wichtiger wäre doch eine Auseinandersetzung mit der Frage, auf welche Weise die EUR 360 Mio. Steuergelder zur Schaffung von Arbeitsplätzen im Mittelstand oder der Industrie der Region ökologisch sinnvoll eingesetzt werden könnten. Statt sich dieser Diskussion zu stellen, werden Investitionen der öffentlichen Hand in Infrastrukturkapazitäten – die anderswo (Brüssel) bereits bestehen oder aber auch (Schkeuditz) ohne Ausbau ausreichen – vorgesehen.


Zusammengefasst und interpretiert von
Horst Ludewig, Hohenossig













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